Das Tscharnergut und sein Carillonturm (15.1.26)

Zwischen 1958 und 1966 entstand in Bern-Bethlehem die Grosssiedlung Tscharnergut mit 1220 Wohnungen. Als grösstes Wohnbauprojekt der Schweiz am Ende der 1950er Jahre fand es internationale Beachtung. Mit dem neuen Quartier sollte der grossen Wohnungsnot mit günstigem Wohnraum für 5000 Bewohner begegnet werden. Erstmals wurde eine grosse und autofreie Siedlung mit einer Schule, Kindergärten, Spielplätzen, Läden und Alterswohnungen geschaffen.

Auf einem Platz entstand – als Geschenk der Architekten und als Identifikationsmerkmal – ein 36 Meter hoher Turm, der aus drei Stahlsäulen konstruiert wurde und in einem Brunnen steht. Im oberen Drittel sind die 18 Glocken des Carillons angeordnet. Die grösste Glocke wiegt 261 kg, die leichteste 20 kg.

Die Melodien des Glockenspiels wurden ursprünglich in Lochstreifen gestanzt. Das Glockenspiel konnte sowohl über eine Steuerautomatik mit Zeitschaltuhr und
Lochband, als auch über eine Klaviatur bespielt werden. Die Zeitverzögerung zwischen Tastendruck und Erklingen des Tones betrug jeweils mehrere Zehntelsekunden, was eine grosse Herausforderung für den Carilloneur bedeutete.

Seit der Renovation 2022 wird das Carillon elektronisch gesteuert und gespielt. Ein Keyboard steht für Platzkonzerte zur Verfügung.

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Glockenturm Tscharnergut

Alte Technik bis 2022

Links das Lochband für die Melodie, rechts die alte mechanische Zeitschaltuhr

Alte Klaviatur

Man merkt dem Lied „Ds Hippigschpängstli“ (Peter Reber) die alte, nicht so präzise Lochbandtechnik an.

Neue Technik ab 2022

Oben: Das moderne Keyboard für Platzkonzerte (im Schaukasten die alte Lochbandtechnik)

Rechts: Moderne digitale Steuerung des Carillons